Ein Angebot der Evotec GmbH, Arnsberg

„Wie genau kann man fräsen?“ – auf diese Frage gibt es keine einzelne Zahl. Am fertigen Maß wirken mindestens fünf Einflüsse zusammen, und der schwächste von ihnen bestimmt das Ergebnis. Wer sie kennt, kann ein Teil so konstruieren, dass die engen Maße dort liegen, wo sie sich leicht halten lassen.

Fünf Einflüsse auf die Genauigkeit

  1. Maschine und Temperatur

    Führungen, Kugelgewindetriebe und Messsysteme bestimmen, wie genau die Maschine eine Position anfährt und wiederholt; die Spindellager bestimmen, wie rund das Werkzeug läuft. Dazu kommt Wärme: Die Spindel erwärmt sich im Lauf und wächst, die Halle ist morgens kälter als am Nachmittag. Deshalb laufen Maschinen vor genauen Arbeiten warm, und deshalb misst man Werkstücke erst, wenn sie die Temperatur des Messraums angenommen haben. Wie genau eine CNC-Achse positioniert und wiederholt, beschreibt ISO 230-2; gemessen wird dafür mit einem Laserinterferometer über den ganzen Verfahrweg.

  2. Aufspannung und Umspannen

    Spannkräfte verformen dünne Teile elastisch. Nach dem Lösen federn sie zurück, und die gerade gefräste Fläche ist nicht mehr eben. Jedes Umspannen bringt außerdem einen eigenen Ausrichtfehler mit. Maße innerhalb einer Aufspannung werden deshalb meist genauer als Maße zwischen zwei Aufspannungen – ein Grund mehr, zusammengehörige Merkmale auf eine Seite zu legen (Teile nach Aufspannungen). In der Werkstatt helfen Spannstellen nahe am Schnitt und Stützen unter dünnen Böden; empfindliche Teile werden nach dem Schruppen gelöst und mit weniger Kraft neu gespannt, bevor sie geschlichtet werden.

  3. Werkzeugabdrängung

    Die Schnittkraft biegt den Fräser zur Seite, und er schneidet dort weniger ab als programmiert. Nach der Balkentheorie wächst die Durchbiegung mit der dritten Potenz der freien Länge und fällt mit der vierten Potenz des Durchmessers: Doppelte Auskraglänge heißt achtfache Durchbiegung, doppelter Durchmesser nur ein Sechzehntel davon. Tiefe, enge Taschen mit kleinen Innenradien sind deshalb schwerer maßhaltig zu fräsen als offene Flächen. Dazu kommt der Rundlauf: Sitzt der Fräser im Halter nicht genau mittig, schneidet eine Schneide mehr als die anderen. Schrumpf- und Hydrodehnspannfutter halten ihn dafür genauer als eine einfache Spannzange.

    Skizze: Werkzeugabdrängung Zwei Fräser unter derselben seitlichen Schnittkraft: Der lange, dünne biegt sich stark durch, der kurze, dicke kaum (überzeichnet). F lang und dünn: große Durchbiegung F kurz und dick: kaum Biegung
    Skizze: langer, dünner Fräser gegen kurzen, dicken Fräser unter gleicher Kraft (überzeichnet)
  4. Werkstoff und Eigenspannungen

    Halbzeuge tragen Spannungen aus dem Walzen, Ziehen oder Strangpressen in sich. Wird viel Material abgetragen, lösen sich diese Spannungen, und das Teil verzieht sich – oft erst, nachdem es ausgespannt ist. Dünne Wände geben außerdem unter der Schnittkraft nach. Schruppen, Entspannen lassen und Schlichten in getrennten Schritten mildern das; ganz verhindern lässt es sich nicht. Wie stark ein Teil nachgibt, hängt auch davon ab, wo Material abgetragen wird: Eine einseitig tiefe Tasche in einer dünnen Platte verzieht sie stärker als ein Abtrag, der sich auf beide Seiten verteilt.

  5. Messen

    Maße auf Zeichnungen gelten bei 20 °C, der Bezugstemperatur nach ISO 1. Aluminium dehnt sich je Kelvin um rund 23 µm pro Meter (Bemessungswert für Aluminiumlegierungen nach DIN EN 1999-1-1, Eurocode 9): Ein 200 mm langes Teil, das 5 K wärmer ist als der Messraum, misst rund 0,02 mm mehr. Auch Messmittel und Messstrategie – wo und wie oft angetastet wird – gehören zum Ergebnis.

Oberfläche: was sie beim Fräsen bestimmt

Eine gefräste Oberfläche ist der Abdruck des Werkzeugwegs. Jede Schneide trägt ein kleines Stück ab und hinterlässt eine bogenförmige Spur; wie ausgeprägt diese Spuren sind, entscheiden vor allem fünf Dinge.

Auch die Laufrichtung zählt: Im Gleichlauf wird eine Fläche meist glatter als im Gegenlauf – warum, zeigt die Seite Fräsverfahren.

Welche Kennwerte eine Zeichnung für die Oberfläche nennt und wie man sie liest, ist ein eigenes Thema. Hier geht es darum, woher die Oberfläche beim Fräsen kommt.

  • Vorschub je Zahn: Die Höhe der Spuren wächst etwa mit dem Quadrat des Zahnvorschubs. Halber Vorschub gibt rund ein Viertel der Spurhöhe – bei doppelter Laufzeit.
  • Werkzeug: Schneidengeometrie, Eckenradius und Verschleiß. Planfräsköpfe mit breiten Planschneiden glätten die Spuren der Hauptschneiden; eine stumpfe Schneide drückt und reißt, statt sauber zu schneiden.
  • Schwingungen: Rattert das Werkzeug, bleiben Wellen auf der Fläche. Ursachen sind lange, schlanke Werkzeuge, dünne Wände, nachgiebige Aufspannungen oder unpassende Drehzahlen.
  • Kühlung und Späne: Späne, die erneut durch den Schnitt gezogen werden, zerkratzen die Fläche. Bei Aluminium kann Werkstoff an der Schneide kleben bleiben, wenn Schneidstoff, Beschichtung und Schnittwerte nicht zusammenpassen.
  • Schruppen und Schlichten getrennt: Wer eine gleichmäßige Fläche braucht, lässt für den letzten Schnitt nur wenig Material stehen. Die Schnittkraft bleibt klein, der Fräser drängt kaum ab, und die Fläche zeigt die Spuren eines einzigen, ruhigen Schnitts.

Warum wir keine Pauschalwerte nennen

Tabellen mit „erreichbaren Toleranzen beim Fräsen“ gelten für eine bestimmte Maschine, ein bestimmtes Werkzeug und ein bestimmtes Teil. Auf Ihr Teil übertragen sagen sie wenig: Ein kurzer Passungssitz in einem massiven Block ist etwas anderes als die Lage zweier Bohrungen auf gegenüberliegenden Seiten einer dünnen Platte.

Deshalb prüfen wir Toleranzen je Zeichnung vor dem Angebot. Wir sagen offen, welche Maße wir in welcher Aufspannung fräsen und wo wir eine andere Reihenfolge, eine zusätzliche Bezugsfläche oder eine geänderte Toleranz vorschlagen.

Eng tolerieren sollte man ohnehin nur die Funktionsmaße, denn jede enge Toleranz kostet Zeit beim Fräsen und beim Messen.

Für die engen Maße, die bleiben, zählt die Reihenfolge: Man legt sie möglichst in eine Aufspannung, fräst sie erst nach dem Schruppen und mit einem eigenen Schlichtwerkzeug – und misst sie dort, wo sie wirken, nicht an einer bequemen Ersatzkante.

Stand: 26.09.2026

Enge Toleranzen auf der Zeichnung? Sprechen wir darüber.

Schicken Sie Zeichnung und Modell. Mit dem Angebot sagen wir Ihnen, wo wir eine andere Reihenfolge oder Toleranz vorschlagen.

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